Nachrichten für die Nachwelt - von Pfarrer Ernst Strauch (1951)

In harter, schwerer Zeit, in großer finanziellen Not, hat die evangelische Kirchengemeinde Ostramondra im Juli 1951 das Schieferdach der Kirche, der Turmspitze und (teilweise auch) der Turmzwiebel völlig neu decken lassen durch die bewährte Firma Wilhelm Becker (Gottlieb Schulze Nachf.) in Erfurt-Hochheim. Die Arbeiten begannen am Donnerstag, den 5. Juli. Der 2. Weltkrieg 1939-1945 und der Zusammenbruch unseres Volkes hatten in den letzten Jahren infolge der Geldentwertung, die der Kirche alle Kapitalien genommen, und des Mangels an Baustoffen alle Reparaturen verhindert. Nach eingehender Darstellung der finanziellen Notlage der Kirchengemeinde Ostramondra anerkannte der Ev. Konsistorium in Magdeburg unseren Notstand und bewilligte uns 7266,- Mk Zuschuss zu den Reparaturen. Da der Schiefer völlig aufgebraucht war, kam nur eine völlige Neudeckung in Frage. Die Gemeinde hat schwere Zeiten durchgemacht. Die beiden verlorenen Weltkriege haben viel Leid über sie gebracht. Groß ist die Zahl derer, die Opfer der Kriege wurden. Während die Geldentwertung (Inflation) nach dem 1. Weltkrieg in verhältnismäßig kurzer Zeit überwunden werden konnte, leiden wir jetzt, 6 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, noch unter großen Nöten. Die Sünden der Hitler-Zeit haben unser Volk in tiefes Unglück gestürzet. Wir stehen unter russischer Besatzung. Die unselige Zerreißung unseres Vaterlandes in Ost- und Westzone mit 2 verschiedenen Währungen, der noch immer fehlende Friedensvertrag mit den ehemaligen Feinden, die Reparationsverpflichtungen, die Zerstörungen durch den Krieg, die vielen Flüchtlinge aus dem Osten, die bei uns untergebracht werden mussten, die Furcht vor neuen kriegerischen Auseinandersetzungen, die ungewisse Zukunft liegt schwer auf uns. Aber wir setzen unser Vertrauen auf Gott den Herrn. (Jessaja 40,V. 31). Wir hoffen, dass, wenn wieder einmal der Turmknopf geöffnet wird, dann bessere, glückliche Zeiten für unsere Nachkommen sind. Die ev. Kirchengemeinde Ostramondra zählte am 01.07.1950 651 ev. Einwohner die mit zur politischen Gemeinde Ostramondra gehörige selbstständige ev. Kirchengemeinde Rettgenstedt 507 ev. Einwohner. Der Pfarrer für beide Gemeinden war Ernst Strauch (geb. 30.10.1891 zu Torgau) seit 01.04.1942 verh. mit Ilse geb. Schmeling, vorher Pfarrer zu Trossin 1921-1934 und zu Süptitz 1935-1942. Der Gemeindekirchenrat Ostramondra bestandtl_files/fM_k0002/Bilder/Link Bilder/Wetterfahne.jpg aus den Herren Landwirt Alfred Hüter, Schmiedemeister Karl Bauer, Landwirt Alfred Werner und Steinmetzmeister Otto Köhler. Ersatzleute sind Landwirt Otto Heyer und Maurer Otto Schaumburg. Seit einigen Jahren werden unsere Schulkinder von der Kirche aus in der Christenlehre (anstelle des früheren Religionsunterricht) unterrichtet. Organist und Katechet zurzeit der frühere Schullehrer Arno Mederacke. Kirchendiener (Glockenläuter, Balgetreter und Totengräber) ist Fritz Müller. Dem Gemeindekirchenrat zur Seite steht der Kirchliche Gemeindebeirat, zu Ihm gehören: der Katechet Arno Mederacke, Frau Marie Schellert, Frl. Anna Bohnet, Landwirt Karl Uschmann und Angestellter Karl Rendschmidt. Kirchenrendant ist frühere Kaufmann Otto Leder. Superintendent für die Kirchenkreise Heldrungen und Beichlingen ist. Sup. Kießerling in Heldrungen, Kreiskatecht Dr. Ziller in Heldrungen. Wir gehören zur Propstei Naumburg, Propst Müller. Bürgermeister ist z. Zt. Albert Läufer. Das frühere Rittergut des Herrn von Krosigk ist jetzt Landesgut und steht unter der Leitung des Herrn Kubina (kath.). Da eine große Menge kath. Flüchtlinge bei uns Unterkunft gefunden haben, hat die kath. Kirche in Ostramondra eine Seelsorgestation eingerichtet, die der kath. Pfarrer Preiß versieht. Die ev. Kirchengemeinde hat der kath. Gemeinde die Kirche Ostramondra zur Mitbenutzung überlassen. Beide Konfessionen arbeiten in Eintracht und Brüderlichkeit zusammen. tl_files/fM_k0002/Bilder/Link Bilder/Patronsloge.jpg

 Da der frühere Patron Hauptmann a. D. Dedo von Krosigk seine an die Kirche angebaute Patronsloge hatte vollkommen verwahrlosen lassen, so dass sie vom Schwamm völlig zerstört, in sich zusammenbrach, ordneten Konsistorium(bzw. Kirchliches Bauamt Magdeburg mit Nebenstelle Erfurt) sowie der Landeskonservator den Abbruch derselben an. Die Arbeiten sollen nach beendeter Dachreparatur durchgeführt werden. Der frühere Kirchenpatron wohnt z. Zt. in Weimar.


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